Ordnungsethik und unverdiente Ungleichheit (Lage, Größe) im internationalen Standortwettbewerb
Hallo,
ich suche noch jemanden aus dem Bereich Ordnungsethik, der die Integrative Wirtschaftethik von Peter Ulrich um Max Webers Einschätzung aus "Die Protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus", dass "die Lage eines Ortes Einfluss auf seine Chancen im Freimarkt hat" (die genaue Textstelle und den genauen Wortlaut kann ich nachliefern) erweitert.
Also es geht mir um die Betonung, dass es im Freimarkt bzw. im Standortwettbewerb zwischen den Regionen ungleiche Chancen zwischen den Regionen/Staaten gibt, z. B. wegen der Lage und Größe.
Daran sollte man beim Ausgestalten der Regeln einer Ordnung achten. Dafür muss einem das aber bewusst sein. Zwar kann man mit Max Weber aus dessen genanntem Buch argumentieren, dass ja der Schein reicht solange man profitiert.
Es besteht aber eben schnell auch die Gefahr der Selbsttäuschung oder des Verlockens durch äußere oder innere Saboteure.
Daher wäre es gut wenn jemand (ein Uni-Lehrstuhl kann da von der Wirkung her von Vorteil sein) die Integrative Ordnungsethik mal noch um diesen Aspekt erweitert.
Zwar hat auch Peter Ulrich in seinen Büchern schon den Export von Arbeitslosigkeit und das Streben nach Außenwirtschaftsüberschüssen im internationalen Standortwettbewerb kritisiert und Herr Flassbeck tut dies auch fleißig. Die lassen aber alle diese unverdiente Ungleichheit zwischen den Regionen weg. Das "neoliberale" Narrativ, dass ein innerer freier Wettbewerb der Regionen einen positiven Druck auf das Gesamtsystem im Wettbewerb mit dem Außen erzeugt, lässt sich aber so nicht ent-buggen. Das Ausnutzen natürlicher Vorteile im inneren Wettbewerb, kann von den natürlich Benachteiligten nicht zum Gesamtvorteil kompensiert werden. Solche unverdiente Ungleichheit, noch dazu wenn diese nicht mal zumindest auf Mindest-Niveau für alle kompensiert wird, kann eigentlich nur destabilisierend für das Gesamtsystem wirken. Außer die natürlich Bevorteilten streben eine Hegemonie an und sind damit auch erfolgreich. Solche Teil-Staaten-Oligarchien waren historisch aber wiederum selten lange stabil. Und mit einem mächtigen Außen ist das Gesamtsystem dann doch wieder schnell in Nöten.
Also ich bin in Deutschland z.B. in der Europa-Union aktiv. Da wird zwar häufig die "freundliche" Ansicht vertreten: "Es kann einem nur gut gehen, wenn es auch seinen Nachbarn gut geht." Dann heißt es aber gleich wie wichtig Freimarkt ist.
Also es wäre daher gut wenn nicht nur ich auf diesen Widerspruch aufmerksam machen würde, sondern auch mal noch überzeugte andere.
Wäre das ein Thema für Sie und "Ihr" Institut?
Gruß,
Thomas Hinkelmann
rkslp.org