Betreff: Jahreshauptversammlung: Kommentar zu: „Zölle und nicht-tarifäre Handelshemmnisse immer schlecht“
Hallo Zukunftsregion Westpfalz, da ich nicht glaube, und man das eigentlich auch leicht widerlegen kann, dass Freimarkt immer jedem nutzt und Zölle und nicht-tarifäre Handelshemmnisse immer Schaden, will ich doch mal deutlich machen, dass ich es nicht gut finde, wenn man solchen Positionen und Haltungen einseitig und ohne Diskussionsmöglichkeit über die Jahreshauptversammlungen des Vereins "Zukunftsregion Westpfalz" ein Bühne gibt auch noch aus dem Vorstand/der Geschäftsführung heraus. Extreme Einschätzungen wie "Nutzt immer"/"Schadet immer" in Versammlungen ohne Diskussionsmöglichkeit wiederzugeben hat immer etwas von Indoktrinierung. Man will unbedingt eine Einschätzung zur Dominanz verhelfen. Wobei "Nutzen" und "Schaden" aber ja auch schon zum Ausdruck bringt, dass es hier um die Klärung oder um ein Urteil geht, ob man selbst Schaden erleidet/ erleiden kann oder jemand anderes welchen zufügt. Beides keine Lappalien. Ende 2018 war ich zu der Einschätzung gelangt, dass wir im Freimarkt durch unsere Lage mitten in Europa zwischen, vereinfacht ausgedrückt, eher arm im Osten und eher reich im Westen und wegen der Größe unseres Sprachraums einen unfairen Vorteil im Standortwettbewerb als Bundesland haben. Billige Zwischenprodukte und Arbeitskräfte sind früher und preiswerter aus dem Osten bei uns als zum Beispiel in Frankreich, Italien oder Spanien. Und es lohnt sich auch wegen der Größe unseres Sprachraums eher für Bürger anderer Staaten unsere Sprache zu lernen, da es hier mehr Jobs gibt als jetzt griechisch oder andere Sprachen. Und das die Lage eine Rolle spielt schrieb auch schon der Soziologe Max Weber. Und wir hatten/haben ja tatsächlich meist gewaltige Außenbeitragsüberschüsse angehäuft durch den internationalen Handel. Was eigentlich gegen unsere "früheren" Stabilitätskriterien ist. Außenbeitragsüberschüsse stellen eben keinen nachhaltigen Kreislauf da. Zu Zeiten der Silberflotte der Spanier war das noch eher problemlos. Spanien beutete die Minen aus. Und konnte dann im Ausland fröhlich einkaufen. Das ging nicht an die Substanz, höchstens an die von Neu-Spanien. Solche Neuerwerbungen gibt man aber leichter aus. Anders sieht es für Spanien, Italien, Griechenland oder auch Frankreich mit dem Euro aus. Je nachdem wie die Herkunftskette unserer Überschüsse ist, muss man wohl davon ausgehen, dass die "Neue Welt" nun die Rolle des alten Spaniens hat und der Euro-Süden die Rolle der Mine. Also z. B. die USA oder Brasilien verkaufen Medikamente, Online-Dienstleistungen oder was auch immer in den Euro-Süden und bekommen dafür Euros. Die geben sie dann aber nicht wieder dort aus sondern Kaufen z. B. in Deutschland Autos davon. Dann haben wir einen Überschuss und der Euro-Süden ein Minus. Mit den USA oder Brasilien haben wir aber als EU einen ausgeglichenen Handel. Zu der "Überzeugung" waren wir ja auch schon bei der letzten Trump-Amtszeit gekommen. Das reichte dem dann erstmal. Aber wie eine Mine ist auch der EU-Süden irgendwann ausgebeutet. Dann sind dort und in der "Neuen Welt" keine Euros mehr da um Autos bei uns zu kaufen. [Wobei der aktuelle Nachfrage-Rückgang kommt wohl auch oder vor allem durch die höheren Energiepreise.] Dann haben wir Überkapazitäten geschaffen. [Spätestens ohne Target2-Kreislauf] Weil wir eben nicht darauf geschaut haben, dass wir eine nachhaltige Nachfrage, also einen Kreislauf, finanziert durch unsere eigenen Importe haben. Also Ware/Dienstleistung gegen Ware/Dienstleistung. Nur das hat Zukunft nach meiner Einschätzung. Deshalb ist es nötig, dass macht ja auch die OPEC, seinen eigenen Output mit Blick auf die gute Zukunft auch mal zu hemmen, damit keine Ausbeutungsspirale entsteht. Sondern sich die Kundenstaaten den Konsum bei uns auch nachhaltig leisten können. Außerdem müssen die nicht bei uns kaufen. Wir aber bei andern, da wir nicht alle Rohstoffe haben. Also sollten wir schauen, dass wir unsere Kunden-Länder nicht dadurch verärgern dass wir Ihnen oder deren Ihren Kunden usw. so viel Schaden, dass sie sogar mal gar nichts mehr bei uns kaufen. Das wäre unser Untergang, zumindest als Marktmacht. Oder sie könnten auf die Idee kommen uns unsere guten Standorte streitig zu machen. Wenn wir sie dazu nötigen wäre das von den aktuell gültigen Menschenrechten her gesehen legitim. Vielleicht nicht vom aktuell gültigen Völkerrecht aber das ist ein anderes Thema. Oder vielleicht auch nicht. Denn Von Schmollers, Ökonom der historischen Schule, Weisheit: "Nur der inkonsequente und derjenige der die heutige Gesellschaft ruinieren will kann komplett freihändlerisch sein" passt auch zum aktuell gültigen Völkerrecht mit seinem Verbot sich selbst nicht mal das Fair-Nötige fair und human herbeizusichern wenn die Handelsbedingungen nicht mehr tolerabel sind. Stellt sich eben die Frage wo "unsere" aktuellen Überzeugungen und Haltungen eigentlich seit den 1980ern und vor allem seit 1990 eigentlich herkommen. Von Schmoller dachte beim "Ruinierungswilligen" übrigens an nicht so erhaltungsfreudige Sozialisten. Gut, mittlerweile gibt es noch andere bedeutende Gruppen mit Motiven und Geld um "Haltungen" an den Mann/Frau/Divers zu bringen. Gerade deshalb sollte man seine eigenen Überzeugungen immer wieder hinterfragen, ob sie einem wirklich nachhaltig nutzen und andern nicht Schaden (mit Blick auf das Genug und faire Anteile). Vor allem welchen die einem Ärger machen könnten. Aber auch aus humanen Gründen sollte man an das Wohl anderer denken und nicht einfach nach dem Motto: "Passt auch für die schon" Haltungen propagieren wo das nicht sicher bzw. fast sicher umgekehrt ist. Für Diskussionen zu diesem Thema stehe ich in meiner Freizeit nach Möglichkeit gerne zu Verfügung. Aber bitte sowas Extremes nicht mehr einfach bei öffentlichen Versammlungen raushauen. Aus welchem Motiv auch immer. Ich werde dieses Schreiben über meinem Blog auch veröffentlichen. Gruß, Thomas Hinkelmann Mitglied der Zukunftsregion Westpfalz rkslp.org
Ich veröffentliche mal anonymisiert noch die Antwort der Zukunftsregion Westpfalz dann kommt man gleich sympathischer und Dialogbereiter rüber. 🙂
„Lieber Herr Hinkelmann,
ich bedauere es, dass dieser Nebenaspekt der Redebeiträge … Ihrerseits eine spürbare Verstimmung zur Folge hatte. Unsere Mitgliederversammlung mit über 200 Teilnehmern sicherlich nicht der richtige Rahmen für eine diesbezügliche Debatte gewesen. Daher danke ich für Ihr nachträgliches Schreiben.
Wir sind uns sicherlich einig darin, dass unser Verein keinen nennenswerten Einfluss auf die Entwicklungen des globalen Handels und der Handelspolitik der führenden Wirtschaftsnationen haben wird. Es ist uns lediglich möglich, den freundschaftlichen Austausch mit unseren internationalen Partnern (hier war insbesondere die USA gemeint) zu pflegen und uns um die wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit unserer Region und eine weitere Verbesserung der Lebensqualität in der Westpfalz zu bemühen. Eine innovationsgetriebene Weiterentwicklung unserer Wirtschaftsstruktur wird uns hierbei sicherlich helfen, dies ohne die Belastung anderer Menschen auf unserem Kontinent zu erreichen.
Ich hoffe, Sie waren ansonsten mit unserer Veranstaltung zufrieden und haben ein bisschen positiven Spirit mitnehmen können. Bleiben Sie uns gewogen!
Mit freundlichen Grüßen“
